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Faktencheck

B 3 Südschnellweg in Hannover


In einer schnelllebigen Informationskultur ist es wichtig, einen faktenbasierten Dialog zu führen. Da in der öffentlichen Diskussion zur Modernisierung des B3 | Südschnellwegs einige Fehlinformationen kursieren, haben wir Ihnen in diesem Faktencheck einen Überblick zusammengestellt.


"Nicht vor der Landtagswahl handeln und Bewertung durch neue Regierung abwarten"

Richtigstellung: Es gibt keine neue Faktenlage, die einen Aufschub rechtfertigen könnte. Vielmehr waren alle Fakten (Verkehrsentwicklung, Verkehrswende, Klimaschutz usw.) schon in der Planungszeit des Projektes bekannt. Diese waren und sind Grundlage der Planung.

Der Südschnellweg ist kein Neu- oder Ausbauprojekt. Es handelt sich um die zwingend notwendige Modernisierung einer bedeutenden Verkehrsader: Die Brücke an der Hildesheimer Straße darf nur noch bis Ende 2023 genutzt werden, die Brücken in der Leinemasch noch bis Ende 2024.

Das bedeutet: Verzögerungen im Planungs- und Bauprozess müssen vermieden werden. Ohne Südschnellweg weichen Pendler- und Schwerlastverkehr in die Stadtviertel und in die Region, etwa nach Döhren, Koldingen oder Hemmingen aus. Zudem ist die Modernisierung des Südschnellwegs weit fortgeschritten: Die Bauleistungen befinden sich bekanntermaßen gerade im Vergabeverfahren, der Baustart der Behelfsbrücke in Döhren steht unmittelbar bevor, es besteht Baurecht. Eine Verzögerung bedeutet in diesem Zusammenhang auch Entschädigungszahlungen an Auftragnehmer und Bewerber.


"Man kann Brücken auch sanieren"

Richtigstellung: Es ist technisch nicht möglich, die Brücken über die Hildesheimer Straße, Leine und Leineflut zu ertüchtigen.

Die mittlerweile rund 70 Jahre alten Brücken sind den heutigen Verkehrsbelastungen nicht mehr gewachsen. Sie wurden in der Vergangenheit bereits aufwändig verstärkt, um Zeit für Planung und Bauphase zu gewinnen. Weitere Verstärkungen über das derzeitige Maß hinaus sind nicht möglich. Auch eine „Reparatur“ der Brücken ist nicht möglich, da das Material der Brücken schlichtweg ermüdet und überlastet ist. Deshalb müssen sie jetzt ersetzt werden – durch einen Neubau.

Vor 10 Jahren wurde strategisch entschieden, die Brücken für alle Verkehrsarten – einschließlich Schwerlastverkehr – offen zu halten. Nach diesen 10 Jahren ist die Restnutzungsdauer erschöpft, Ersatzneubauten sind die Konsequenz. Für die Brücke über die Hildesheimer Straße läuft diese Zeit 2023 ab. Für die Gewässerbrücken ist 2024 die Nutzungsdauer abgelaufen. Ohne Ersatzbauwerke müssen die Brücken dann gesperrt werden.

In Konsequenz würden sich ohne Ersatzbauwerke die täglich rund 50.000 Pkw und Lkw einen Weg durch die verschiedenen Stadtviertel Hannovers (z. B. Südstadt, Döhren, Ricklingen), aber auch die Region, wie z. B. B 443 bei Pattensen/Koldingen suchen. Das gilt es unbedingt zu vermeiden.


"Bau im Bestand ohne Verbreiterung"

Richtigstellung: Die Verbreiterung des Südschnellwegs ist aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich. Fakt ist, dass die Standstreifen eine aktive Erhöhung der Sicherheit des Verkehrs und der der Nutzerinnen und Nutzer darstelle.

Auf dem Südschnellweg gibt es bisher keine Seitenstreifen. Seitenstreifen reduzieren die Gefahr bei Pannen und Unfällen. Auch eine Rettungsgasse kann dann zuverlässig freigehalten werden – sie entscheidet im Zweifelsfall über Leben und Tod bei schweren Unfällen. Zudem ist die Verkehrssicherheit auch bei Wartungsarbeiten gegeben. Durch flüssigen Verkehr werden Ausweichverkehre durch hannoversche Stadtteile und andere Gemeinden der Region Hannover vermieden.

Der geplante Straßenquerschnitt wurde durch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg geprüft und bestätigt.

Durch den Bau von sechs neuen Brücken, den Tunnel sowie bauliche Anpassungen für besseren Hochwasser- sowie Gewässerschutz ist die Beanspruchung von Grünflächen unvermeidbar. Dabei werden nur 4 Hektar dauerhaft in Anspruch genommen. Rund 9 Hektar werden wiederbepflanzt oder rekultiviert. Für die Seitenstreifen werden circa 7.000 qm benötigt - also weniger als ein Fußballfeld (bzw. 5 Prozent der gesamten Flächeninanspruchnahme). Damit erhöhen wir jeden Tag die Sicherheit von mehr als 50.000 Menschen im Straßenverkehr.


"Verzicht auf Seitenstreifen, mehr Bäume bleiben erhalten"

Richtigstellung: Ein Verzicht auf die Seitenstreifen hätte nur geringfügige Auswirkungen auf die Grünflächen.

Ein Verzicht auf den Seitenstreifen reduziert den Eingriff lediglich um 0,7 Hektar. Dies entspricht 5 bis 6 Prozent der insgesamt in Anspruch zu nehmenden Grünflächen. Dieser Wert reduziert sich weiter auf weniger als 0,5 Hektar, wenn man berücksichtigt, dass in diesem Fall Nothaltebuchten und breitere Fahrbahnränder (sogenannte Bankette) gebaut werden müssten. Bei dem Verkehrsaufkommen sind die Seitenstreifen auf die Verkehrssicherheit erforderlich.


"Einfach im Bestand bleiben statt Tunnel- und Troglösung"

Richtigstellung: Die Entscheidung für einen Tunnel an der Hildesheimer Straße wurde gemeinsam mit dem Bund, Land, Stadt und Region getroffen. Dabei war von Anfang an klar, dass diese Variante mehr kosten wird. Die klaren Vorteile haben den Ausschlag für die Entscheidung gegeben:

  • deutliche Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bürgerinnen und Bürger,
  • Immissionsschutz und
  • Denkmalschutz für die Häuser entlang der Brücke über die Hildesheimer Straße.

Die Schnellwege bündeln den Verkehr und ermöglichen wichtige Freiräume in der Stadt. Dort, wo der Südschnellweg in Zukunft im Tunnel verläuft, bieten sich ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. So kann die beengte Situation an der Willmerstraße städtebaulich optimiert werden. Die Lebens- und Aufenthaltsqualität in Döhren wird sich spürbar verbessern – die Lärmbelastung sinkt. Ein Neubau in Bestandslage bedeutete, dass die Menschen, die in unmittelbarer Nähe wohnen und arbeiten, weiterhin den enormen Belastungen durch den starken Verkehr ausgesetzt wären.


"Dann soll doch erstmal der Tunnel gebaut werden, der Westabschnitt kann später diskutiert werden"

Richtigstellung: Der Schnellweg ist als eine Einheit zu betrachten. Daher gilt: einen Tunnel kann es nur geben, wenn das gesamte Projekt realisiert wird.

Der Grund ist einfach: nur einen Tunnel zu bauen hätte keine verkehrliche Wirkung, weil die Brücken über die Leine und Kiesteiche ebenfalls bis Ende 2024 außer Verkehr zu nehmen sind. Also muss auch der Abschnitt in der Leinemasch zwingend gebaut werden, damit der neue Tunnel nicht zu einer Sackgasse wird. Die Fahrzeuge würden sich dann den Weg durch das Stadtgebiet in Richtung Landwehrkreisel suchen.


"In der Leinemasch wird alles schlechter..."

Richtigstellung: Die Maßnahme bringt positive Entwicklungen für die Leinemasch.

Die Gewässerqualität wird durch die neuen, modernen Straßenentwässerungseinrichtungen erheblich verbessert. Durch modernste Wasserrückhalte- und Sammelsysteme fangen wir die Abwässer auf dem Südschnellweg auf und reinigen sie. So gelangen kein verunreinigtes Wasser sowie Reifenabrieb in die Umgebung.

Erstmalig installieren wir umfassenden Schallschutz. Hierdurch wird es spürbar leiser. Dieses erzielen wir durch höhere und längere Lärmschutzwände und ebenfalls schallhochabsorbierende Irritations- und Kollisionsschutzwände.

Die beiden Brücken über die Gewässer werden rund 70 m länger. Damit wird der Lebensraum besser vernetzt und die Uferbereiche aufgeweitet. Dies dient auch dem deutlich besseren Hochwasserschutz.


"Die Kosten laufen aus dem Ruder"

Richtigstellung: Die Kostensteigerungen beim Südschnellweg sind eine direkte Folge des Krieges in der Ukraine. Wie in allen anderen Lebensbereichen auch sind insbesondere im Baubereich die Kosten nach dem 24. Februar gestiegen.

Großprojekte wie der Südschnellweg, die mit einem erheblichen Stahl-, Beton- und Energiebedarf gebaut werden, sind vollumfänglich von der Kostensteigerung der Marktpreise betroffen. Tunnel- und Brückenbauwerke sind dabei mit Abstand die größten Kostenfaktoren.

Das bedeutet: aufgrund der Bauart besteht kein Einsparpotenzial. Die aktuelle Kostendebatte bezieht sich auf den Bereich Döhren, wo ein Tunnel realisiert werden soll. Dass dieser teurer ist als eine Brücke, war bereits zum Zeitpunkt der Variantenauswahl offensichtlich. Die Entscheidung für einen Tunnel fiel nicht zuletzt zugunsten des Immissionsschutzes und der Lebensqualität in Döhren.

Letztlich würden die Preissteigerungen auch eine Brückenlösung deutlich teurer machen.

Eine Neuplanung würde zudem einen Zeitverlust bedeuten. Bis dahin müsste der Südschnellweg vollständig gesperrt werden – der Verkehr müsste in dieser Zeit durch das innerstädtische Netz fließen. Bei einer Verzögerung könnten außerdem hohe Entschädigungszahlungen an den Auftragnehmer, das ausführende Bauunternehmen, fällig werden.

Faktencheck Bildrechte: NLStBV

Artikel-Informationen

erstellt am:
16.09.2022
zuletzt aktualisiert am:
19.09.2022

Ansprechpartner/in:
Sebastian Tacke

Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Dezernatsleiter 31 (Planung und Bau Schnellwege in Hannover)
Göttinger Chaussee 76 A
30453 Hannover
Tel: (0511) 3034-5127
Fax: (0511) 3034-2099

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