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Häufig gestellte Fragen

Erste Maßnahmen am Südschnellweg


Der im Süden Hannovers verlaufende Südschnellweg (B 3) ist für den Großraum Hannover von großer verkehrlicher Bedeutung. Als Ost-West-Tangente zwischen der A 2 und der A 7 ist er ein wesentlicher Bestandteil der überregionalen Verbindung. Im rund 3,8 km langen Abschnitt zwischen dem Landwehrkreisel und der Kreuzung mit der Bahn vor dem Seelhorster Kreuz soll der Südschnellweg langfristig ausgebaut werden. Hintergrund ist, dass insgesamt vier Brücken im Verlauf des Südschnellwegs in den nächsten Jahren erneuert werden müssen. Sie können aufgrund ihres baulichen Zustandes nur noch bis etwa 2023 genutzt werden; dies haben statische Nachrechnungen ergeben.


1. Es wurde in der lokalen Presse berichtet, dass der Bau am Südschnellweg begonnen habe. Was passiert jetzt konkret?

Der eigentliche Bau des Südschnellweges hat noch nicht begonnen. Derzeit werden lediglich Vorarbeiten durchgeführt. Diese umfassen Kampfmittelsondierungen, vermessungstechnische Vorbereitungen und Leitungsumlegungen zur Herstellung der sogenannten Baufreiheit für die Behelfsbrücke und den späteren Tunnel. Das spätere Baufeld muss also vorbereitet werden. Die eigentlichen Bautätigkeiten starten voraussichtlich im 4. Quartal 2022. Dann wird zunächst die Behelfsbrücke entlang der Hildesheimer Straße und der Willmerstraße errichtet.


2. In welchen Bereichen werden diese Vorarbeiten vorgenommen?

Im 1. und 2. Quartal 2022 werden im Bereich der Heuerstraße und der Landwehrstraße, am sogenannten Landwehrtunnel, und in der Hildesheimer Straße Ver- und Entsorgungsleitungen umverlegt. In kleinerem Umfang wurden auch Leitungsarbeiten an der Schützenallee vorgenommen.

Außerdem wurden Kampfmittelsondierungen durchgeführt, im Zuge derer potenzielle Verdachtsflächen auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht werden. So können Gefahrensituationen durch Blindgänger o. ä. bei den Bautätigkeiten ausgeschlossen werden.


3. Wie gestaltet sich der weitere Ablauf?

Bis in den Sommer 2022 werden Leitungsarbeiten in den Bereichen Hildesheimer- und Willmerstraße stattfinden, die teilweise auch mit verkehrlichen Einschränkungen verbunden sind. Für die Behelfsbrücke und den Tunnel wird ein (leitungs-)freies Baufeld benötigt. Da der Tunnel in einzelnen Segmenten hergestellt wird, werden zum Teil die Leitungen später wieder in ihre Ausgangslage zurückverlegt werden.


4. In den Medien wurde über erste Gehölzentnahmen / Rodungen berichtet – was hat es damit auf sich?

Für die Vorarbeiten wurden in Döhren vereinzelte Flächen gerodet, und zwar für die Leitungsarbeiten, die Kampfmittelsondierungen und für die Vermessungsarbeiten. Dabei wird das jeweilige Baufeld erst dann freigemacht, wenn es zwingend erforderlich ist. Deshalb werden in Döhren für die Behelfsbrücke im Oktober 2022 weitere Gehölze entnommen.

Weitere Rodungen außerhalb Döhrens – also westlich der Leine, insbesondere aber im Bereich der Leinemasch – sind im Zusammenhang mit dem Südschnellweg 2022 nicht geplant. Diese beginnen erst 2023.

Allerdings müssen auch im Zuge der Verkehrssicherung immer mal wieder einzelne Bäume entnommen werden. Droht ein Baum auf Wege oder Straßen zu stürzen, so wird dieser gefällt.


5. Wann beginnen erste Arbeiten im Westbereich / in der Leinemasch?

Arbeiten im Bereich der Leinemasch, also im westlichen Bereich des Projektraums, sind 2022 nicht geplant. Nur an wenigen Stellen, die jeweils nicht mehr als ein paar Quadratmeter groß sind, werden Vermessungspunkte eingerichtet. Für diese Vermessungspunkte muss teilweise vorbereitend eine Kampfmittelsondierung durchgeführt werden. Die Entfernung von Bäumen oder Sträuchern ist hierfür nicht erforderlich.


6. Es wurde auch berichtet, dass Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss – also gegen die Baugenehmigung – vorliegen. Stoppen diese die Bauarbeiten?

Gegen den Planfeststellungsbeschluss eingereichte Klagen haben aufgrund der gesetzlichen Regelungen für den Südschnellweg als Bundesfernstraße keine aufschiebende Wirkung. Dennoch beabsichtigt die NLStBV nicht, in diesem Jahr Fakten im Bereich der Leinemasch zu schaffen. Nur für den Bau der Behelfsbrücke und des Tunnels werden 2022 Vorarbeiten durchgeführt. Diese sind nicht Teil der Klagen und können somit weiter umgesetzt werden.

Auch hier wird immer nur der Bereich in Anspruch genommen, der zwingend für die jeweils laufenden Bauarbeiten erforderlich ist. Seitens der NLStBV wird „minimalinvasiv“ vorgegangen: Arbeiten werden erst dann umgesetzt und Flächen werden erst dann in Anspruch genommen, wenn dies durch die Bauabläufe zwingend erforderlich wird.

Richtig ist aber auch, dass im Bereich der Leinemasch bis zum Ende des Jahres 2024 die südlichen Teilbauwerke der neuen Gewässerbrücken errichtet werden müssen.


7. Wogegen richten sich die Klagen?

Der Ersatz des Brückenbauwerkes über die Hildesheimer Straße durch einen Tunnel wird auch von den Klägern begrüßt – dieser Punkt wird nicht beklagt. Die Klagen von betroffenen Eigentümern und einer Bürgerinitiative richten sich vielmehr gegen die Verbreiterung des Südschnellwegs durch die Anpassung der Fahrstreifenbreiten und Seitenstreifen im Bereich der Leinemasch. Diese sind derzeit zu schmal – eine Tatsache, die bei den vorhandenen Verkehrsstärken ein großes Sicherheitsrisiko mit sich bringt. Denn derzeitig können keine Rettungsgassen gebildet werden. In einem aktuellen Einzelfall mussten bereits Rettungskräfte zu Fuß zur Unfallstelle gelangen.


8. Wie geht es weiter mit dem Klageverfahren?

Es liegen derzeit neben den Klagen auch sogenannte Eilanträge vor. Zu zwei von drei Eilanträgen liegen bereits Beschlüsse des Oberverwaltungsgerichts (OVG) vor.

Hierbei wurde durch das OVG u. a. die Angemessenheit der Planungen der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr bei der Größe und Dimensionierung der Fahrbahnen vollumfänglich festgestellt. Ebenfalls stellte das Gericht fest, dass im Zuge der Gesamtabwägung Natur und Landschaft intensiv einbezogen wurden. Auch die häufig kritisierte Herstellung von beidseitigen Seitenstreifen wurde bestätigt.

Wann abschließend über die Klagen entschieden wird, ist noch offen.


9. In der Zeitung liest man immer, dass 13 Hektar Wald für das Vorhaben gerodet werden müssen. Stimmt das?

Für das Vorhaben werden zwischen Landwehrkreisel und Bahnunterführungen insgesamt rund 13 Hektar Grünanlagen und Grünflächen in Anspruch genommen. Die gesamten 13 Hektar umfassen jedoch ganz unterschiedliche Arten von Flächen, wie beispielsweise Grünstreifen an der Hildesheimer Straße, Böschungsflächen am Rande des Südschnellweges aber eben auch Streifen am Dammfuß in der Leinemasch, die teilweise auch von Bäumen bewachsen sind. Weniger als die Hälfte davon sind Wald, zu dem auch der Bewuchs an den Böschungen des Schnellweges zählt.

Unabhängig vom geplanten Querschnitt werden 7 von den 13 Hektar nur für Baustraßen und Baustelleneinrichtungsflächen im Nahbereich des Südschnellwegs (SSW) in Anspruch genommen. Der Baustellenverkehr soll eben nicht über die Geh- und Radwege in der Leinemasch fahren. Zudem sind Baustelleneinrichtungsflächen insbesondere für die Brückenersatzneubauten z. B. als Kranstellflächen, Materiallagerungsflächen, Bewegungsflächen für Baufahrzeuge u. ä. erforderlich.

Insgesamt werden 9 Hektar von den 13 Hektar nur vorübergehend in Anspruch genommen, der Rest – also 4 Hektar – dauerhaft. Diese 4 Hektar werden aber nicht nur für den Südschnellweg in Anspruch genommen, sondern auch für umfangreich umzuverlegende Geh- und Radwege, Entwässerungsmulden, -einrichtungen etc.

Dabei werden im Rahmen des Bauablaufes auch immer nur diejenigen Flächen in Anspruch genommen, die aktuell zwingend erforderlich sind. Sämtliche nicht mehr benötigten Flächen werden anschließend unverzüglich wiederbepflanzt oder entsprechend ihrer vorherigen Nutzung wiederhergestellt.


10. Wie viel Eingriffsfläche würde man durch den Verzicht auf Seitenstreifen einsparen?

Häufig wird die geplante Breite des SSW kritisiert. Insbesondere wurde die Forderung erhoben, auf die Seitenstreifen zu verzichten, um so die Eingriffe in die Natur zu minimieren.

Ein Verzicht auf die Seitenstreifen hätte jedoch nur geringfügige Auswirkungen auf die Böschungsanpassung und die Auswirkungen auf den die Straße säumenden Bewuchs. Ein Verzicht auf den Seitenstreifen reduziert den Eingriff lediglich um 0,7 Hektar. Dies entspricht 5 bis 6 Prozent der insgesamt in Anspruch zu nehmenden Grünflächen. Dieser Wert reduziert sich weiter auf weniger als 0,5 Hektar, wenn man berücksichtigt, dass in diesem Fall Nothaltebuchten und breitere Fahrbahnränder (sogenannte Bankette) gebaut werden müssten. Bei dem aktuellen Verkehrsaufkommen sind die Seitenstreifen aber vor allem im Hinblick auf die Verkehrssicherheit erforderlich.

Auch durch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg wurde im Rahmen der Prüfung der Planung bestätigt, dass ein Verzicht auf Seitenstreifen unweigerlich mit einer Verringerung der Verkehrssicherheit einhergeht.

(Siehe hierzu auch die folgenden Fragen.)


11. Warum können die Forderungen auf den Verzicht des Seitenstreifens nicht berücksichtigt werden?

Aufgrund des sehr dichten Verkehrs des Südschnellweges mit bereits heute rund 50.000 Fahrzeugen am Tag bestehen sehr hohe Anforderungen an die Verkehrssicherheit. Bei einem Unfall können Verkehrsteilnehmende den Seitenstreifen nutzen, um sich selbst aus dem Gefahrenbereich zu bringen und gleichzeitig andere Verkehrsteilnehmer keiner Gefahr auszusetzen, z. B. durch abrupte Bremsvorgänge und/oder der Vermeidung von Auffahrunfällen.

Deshalb sind Seitenstreifen dafür da, dass Personen im Falle eines Unfalls an die Seite fahren können, um damit sich selbst aus dem Gefahrenbereich bringen zu können und gleichzeitig andere Verkehrsteilnehmer keiner Gefahr auszusetzen.

Ein Seitenstreifen ermöglicht zudem, dass sich problemlos und zügig Rettungsgassen bilden können, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden können. Insgesamt verringert sich dadurch die Störanfälligkeit. Ausweichverkehre durch städtische Gebiete und über ungeeignete Routen nehmen ab. Der Verkehrsfluss wird harmonisiert und Stauereignisse reduziert.


12. Können Nothaltebuchten beim Neubau des Südschnellweges die geplanten Seitenstreifen ersetzen?

Nothaltebuchten bieten deutlich weniger Sicherheit als ein Seitenstreifen. Das Hauptproblem der Nothaltebucht ist, dass ein Pannenfahrzeug diese erst erreichen muss, um diese nutzen zu können. Je nach Unfallart und Abstand zur nächsten Nothaltebucht ist sie eine Option, die man nicht als besonders zuverlässig bezeichnen kann: Nur, wenn ein Unfall zufällig genau in der Nähe einer Nothaltebucht stattfindet, kann sie den Verunfallten Sicherheit bieten.


13. Warum sind im Tunnelbereich keine Seitenstreifen geplant?

Ein Tunnel verfügt über ein völlig anderes Sicherheitskonzept. In einem Tunnel, wie er am Südschnellweg geplant ist, wird das erforderliche Sicherheitsniveau trotz fehlendem Seitenstreifen durch betriebstechnische Einrichtungen, die aufgrund der Tunnellänge und der Verkehrsstärke zur Gefahrenabwehr erforderlich sind, erreicht.

Dazu zählen unter anderem:

  • Notrufeinrichtungen in einem Abstand von 140 Metern,
  • 24/7-Videoüberwachung durch die Betriebs-/Tunnelzentrale,
  • Möglichkeiten zur Sperrung des Tunnels durch Schrankenanlagen im Falle eines Liegenbleibers, eines Unfalls oder eines sonstigen die Sicherheit beeinträchtigenden Ereignisses. Der Verkehr wird in dem Fall über die Anschlussstelle Hildesheimer Straße abgeleitet.

Ein so hoher betriebstechnischer und personeller Aufwand für die Sicherung eines Tunnels kann deshalb dauerhaft nur punktuell im Straßennetz vorgesehen werden.


14. Wie läuft der Bau der Behelfsbrücke und des Tunnels ab?

Sehr grob ausgedrückt wird zunächst zwischen dem vorhandenen Brückenbauwerk und dem nördlichen Gewerbegebiet entlang der Willmerstraße und in deren Verlängerung nach Osten und Westen eine Stahlbetonwand im Untergrund (sogenannte Schlitzwand) als Teil der späteren Baugrubensicherung und -einfassung eingelassen.

Die Schlitzwand dient zudem als Fundament für die südliche Stützenreihe der Behelfsbrücke. Hierauf und auf einer zusätzlichen nördlichen Stützenreihe wird die Behelfsbrücke errichtet. Wenn diese fertiggestellt ist, wird der Verkehr des Südschnellwegs auf das Behelfsbauwerk umgelegt und der Verkehr der Willmerstraße unter dem Behelfsbauwerk geführt. Anschließend wird das Bestandsbauwerk abgebrochen. Ab diesem Zeitpunkt kann mit den Tunnelbauarbeiten begonnen werden.

Der Tunnel wird in einer offenen Baugrube (sogenannte „offene Bauweise“) in ca. 100 Meter langen Abschnitten (sogenannte Tunnelbaudocks) hergestellt. Der Boden wird aus den jeweiligen Baugruben der Tunnelbaudocks entnommen („ausgebaggert“) und der Tunnelrohbau errichtet. Im Anschluss wird die jeweilige Baugrube dann wieder verschlossen. Nachdem alle Tunnelbaudocks nacheinander fertiggestellt sind, erfolgt noch die technische Ausrüstung im Tunnel, bevor dann die Verkehrsfreigabe stattfinden kann. Anschließend wird zusammen mit dem Rückbau des Behelfsbauwerkes die Willmerstraße wiederhergestellt und neu gestaltet.


15. Wie geht die NLStBV mit den Auswirkungen des Baustellenbetriebs auf die Anwohnerinnen und Anwohner um?

Durch die NLStBV werden die angrenzenden Gebäude im Rahmen einer Zustandserfassung aufgenommen: Hier wird der Status quo der Gebäude also genau dokumentiert – selbstverständlich in Abstimmung mit den jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümern.

Bauzeitliche Erschütterungen und bauzeitlicher Lärm werden für besonders lärm- oder erschütterungsintensive Arbeiten vorab prognostiziert und durch technische und organisatorische Maßnahmen bestmöglich gemindert. Nicht vermeidbare Belästigungen werden den Anwohnerinnen und Anwohnern vorab frühzeitig angekündigt. Die tatsächlichen Einwirkungen werden dann gemessen und dokumentiert. Sollte es zu außergewöhnlichen Lärmerscheinungen kommen, besteht für die Betroffenen dann auch ein Entschädigungsanspruch.

Die Baustellenlogistik ist darauf ausgelegt, dass Materiallieferungen und -transporte vom Südschnellweg oder unmittelbar daneben erfolgen. Transporte durch Wohngebiete oder über die Geh- und Radwege sollen nicht stattfinden.

Bundesstraße 3

Artikel-Informationen

erstellt am:
12.04.2022

Ansprechpartner/in:
Sebastian Tacke

Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Dezernatsleiter 31 (Planung und Bau Schnellwege in Hannover)
Göttinger Chaussee 76 A
30453 Hannover
Tel: (0511) 3034-5127
Fax: (0511) 3034-2099

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