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A 7: Grunderneuerung zwischen Rasthof Allertal und Dreieck Hannover-Nord

Erster Bauabschnitt seit 14. Dezember 2018 fertiggestellt


Blick auf die fertiggestellte Fahrbahn (noch mit Gelbmarkierung); Foto vom 19. Oktober 2018  
Blick auf die fertiggestellte Fahrbahn (noch mit Gelbmarkierung); Foto vom 19. Oktober 2018.

Seit Frühjahr 2018 führt die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Verden, die Grunderneuerung der Bundesautobahn 7 (A 7) in dem Streckabschnitt zwischen der Rastanlage Allertal und dem Autobahndreieck Hannover-Nord in mehreren Streckenabschnitten durch.

Der vorgesehene Ausbaubereich zwischen der Rastanlage Allertal und dem Autobahndreieck Hannover-Nord befindet sich südlich des Autobahndreiecks Walsrode und nördlich des Autobahndreiecks Hannover-Nord und hat insgesamt eine Länge von 18,150 km. Der Streckenabschnitt weist eine sehr hohe Verkehrsbelastung von ca. 90.600 Kfz pro Tag und einen hohen Schwerverkehrsanteil von ca. 16 Prozent (ca. 14.300 Lkw pro Tag) auf.

Zwischen 1985 und 1987 wurde der Streckenabschnitt sechsstreifig ausgebaut. Die Konstruktion des bestehenden Oberbaus wird den heutigen Beanspruchungen aus den erheblich gestiegenen Verkehrsmengen, insbesondere der des Schwerverkehrs, nicht mehr gerecht. Die vorhandene Betonfahrbahn weist demzufolge gravierende Schäden auf. Zudem entsprechen die vorhandenen Schutzeinrichtungen nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

Die Grunderneuerung gliedert sich in vier Bauabschnitte (BA), wobei mit der Umsetzung des 1. BA begonnen wird. Dieser Bauabschnitt umfasst die Erneuerung der Richtungsfahrbahn Hamburg zwischen der Anschlussstelle Mellendorf und der Anschlussstelle Schwarmstedt auf einer Länge von 10,6 Kilometern. Die Bauarbeiten des 1. BA haben am 4. März 2018 begonnen und werden voraussichtlich bis Ende November 2018 andauern. Die Bauabschnitte 2 bis 4 werden in den darauffolgenden Jahren durchgeführt.

Die Erneuerung der A 7 umfasst in diesem Bauvertrag im Wesentlichen:

  • Ausbau und Erneuerung der Betondecke und der unterlagernden hydraulisch gebundenen Tragschicht,
  • Erneuerung der Beschleunigungs- und Verzögerungsspuren der PWC-Anlage Up´n Bummelskampe als vorbereitende Maßnahme für die zukünftig anstehende Erweiterung der Anlage,
  • Erneuerung der Rampen der Anschlussstellen Mellendorf und Berkhof,
  • Erneuerung der Versicker- und Entwässerungsmulden,
  • Erneuerung der Schutzeinrichtungen,
  • 2,5 km lange Erprobungsstrecke zur verbesserten Fahrbahndecke. Zur Verbesserung von Ebenheit, Griffigkeit und Drainage werden bei dem sogenannten Grinding (Ebenheitsschleifen) die obersten Unebenheiten der Betonflächen in exakt definierter Höhe abgetragen. Diese Erprobung erfolgt unter Begleitung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Verkehrsführung während der Bauzeit

Es ist vorgesehen, die Arbeiten an der Richtungsfahrbahn Hamburg im Schutz einer sogenannten 5s+0-Verkehrsführung auszuführen. Dabei wird der Verkehr auf der Richtungsfahrbahn Hannover geführt, wobei dem Verkehr in Fahrtrichtung Hamburg drei Fahrstreifen und dem Verkehr in Fahrtrichtung Hannover zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen.

Für die Einrichtung der 5s+0-Verkehrsführung müssen im Vorfeld vorbereitende Maßnahmen durchgeführt werden. Im ersten Schritt werden die Nothaltebuchten im Seitenbereich der Richtungsfahrbahn Hannover hergestellt. Während dieser Arbeiten muss der Hauptfahrstreifen in Fahrtrichtung Hannover gesperrt werden. Anschließend werden die Mittelstreifenüberfahrten und die Nothaltebuchten im Mittelstreifen hergestellt, bevor der Verkehr von der Richtungsfahrbahn Hamburg auf die Richtungsfahrbahn Hannover geleitet werden kann. Dies erfolgt in einer 3s+2-Verkehrsführung, bei der der Verkehr der Fahrtrichtung Hannover auf dem Standstreifen sowie dem Hauptfahrsteifen und der Verkehr der Fahrtrichtung Hamburg auf dem Stand-, Haupt- und ersten Überholfahrstreifen geführt wird. Somit stehen dem Verkehr auch bei den vorbereitenden Maßnahmen zur Verkehrssicherung in Fahrtrichtung Hamburg drei Fahrstreifen und in Fahrtrichtung Hannover zwei Fahrstreifen zur Verfügung.

Dazu ergeben sich seit dem 4. März 2018 für den ersten Bauabschnitt folgende Verkehrseinschränkungen:

4. bis 13. März 2018 Sperrung des Hauptfahrstreifens auf der Fahrtrichtung Hannover für die Herstellung der Nothaltebuchten im Seitenbereich, Herstellung der Gelbmarkierung sowie Aufbau der Stahlgleitwand zur Trennung der Richtungsverkehre innerhalb der Baustelle. Zusätzlich ist die Anschlussstelle Berkhof in Fahrtrichtung Hannover zwischen dem 7. und 15. März 2018 gesperrt.
14. bis 28. März 2018 3s+2-Verkehrsführung:
Während der 3s+2-Verkehrsführung werden die Mittelstreifenüberfahrten und Nothaltebuchten im Mittelstreifen hergestellt. Zudem wird die Stahlgleitwand im Seitenbereich für die spätere 5s+0-Verkehrsführung aufgebaut sowie Gelbmarkierung aufgebracht. Ab dem 28. März beginnen die Vorbereitungen für die Umlegung des Verkehrs von der 3s+0-Verkehrsführung auf die 5s+0-Verkehrsführung: drei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Hamburg, zwei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Hannover.
29. März bis voraussichtlich Ende November 2018 5s+0-Verkehrsführung:
zwei Fahrstreifen in Fahrtrichtung Hannover, Sperrung der Anschlussstelle Berkhof in Fahrtrichtung Hamburg und Sperrung der Auffahrt in Fahrtrichtung Hannover, Sperrung der PWC-Anlage Up’n Bummelskampe in Fahrtrichtung Hamburg und der PWC-Anlage Osterriehe in Fahrtrichtung Hannover.

Aufgrund von auftretenden Fahrbahnschäden innerhalb der 5s+0-Verkehrsführung sowie durch Verkehrsunfälle kann es zu geplanten wie auch unvorhergesehenen, kurzfristig eingerichteten Vollsperrungen im Bereich zwischen Mellendorf und Schwarmstedt kommen.

Es wird gebeten, auf Mitteilungen der örtlichen Presse sowie den Rundfunk zu achten. Alle Informationen, insbesondere zu unvorhergesehenen Behinderungen auf der Strecke, sind auf den Seiten der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen / Region Hannover (VMZ) zu finden.

Die weiße Vliesschicht trennt die hydraulisch gebundene Tragschicht (HGT) von der Betondeckschicht. Nun folgt der Einsatz des Betonfertigers (gelb); Foto vom 3. August 2018.  
Die weiße Vliesschicht trennt die hydraulisch gebundene Tragschicht (HGT) von der Betondeckschicht. Nun folgt der Einsatz des Betonfertigers (gelb); Foto vom 3. August 2018.

Wahl der Verkehrsführung

Die A 7 ist im fraglichen Abschnitt sechsspurig ausgebaut mit drei Fahrstreifen je Fahrtrichtung. Der durchschnittliche tägliche Verkehr (DTV) beträgt dort 90.600 Kfz mit einem Anteil von 14.300 Schwerverkehrsfahrzeugen (Zählung 2015). Damit liegt in dem Abschnitt eine überdurchschnittliche Belastung für eine sechs-spurige Autobahn vor. Die A 7 gehört mit der A 1 und der A 2 zu den höchstbelasteten Autobahnen in Niedersachsen und auch zu den Autobahnen mit den meisten schweren Unfällen. Die Verkehrssituation ist darüber hinaus durch das Autobahndreieck zur A 352 gekennzeichnet: Gleichzeitig mit der AS Mellendorf fließt der Verkehr aus der A 352 an der Stelle auf die A 7 zu. In der Baustelle auf der A7 ist derzeit eine so genannte 5+0 Verkehrsführung angeordnet. Sämtliche Fahrspuren befinden sich auf der Richtungsfahrbahn Süd. Die 5 Spuren teilen sich wie folgt auf: 3 Fahrspuren Richtung Hamburg und 2 Fahrspuren Richtung Hannover. Die gewählte Verkehrsführung wurde sowohl im Vorfeld der Baumaßnahme als auch noch einmal während der laufenden Baumaßnahme gegenüber mögliche Alternativen sorgfältig abgewogen.
Es wurden drei Fahrspuren Richtung Hamburg angeordnet, da in dieser Richtung der Zufluss von der A 352 zu dem Verkehr auf der A7 hinzukommt.

Die Hauptfahrstreifen (rechte Fahrstreifen) sind in beiden Fahrtrichtungen 3,20 m breit. Die beiden Überholfahrstreifen (mitte und links) der Richtung Hamburg sind jeweils 2,50 m breit. Der Überholfahrstreifen der Richtung Hannover ist 2,80 m breit. Zugelassen ist eine Geschwindigkeit von 60 km/h in der Baustelle. Bauliche Verbreiterungen sind nicht möglich. Das Bankett neben der Fahrbahn wurde in Fahrtrichtung Hannover zusätzlich befestigt.

Eine theoretisch denkbare Verkehrsführung mit zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung (sog. 4+0) würde für beide Fahrtrichtungen die Wegnahme eines Fahrstreifens bedeuten. Die dann verbleibenden Fahrstreifen wären zwar deutlich breiter als die Fahrstreifen in der 5+0-Verkehrsführung, aber es würde den Wegfall einer weiteren Spur bedeuten. Die Leistungsfähigkeit beider Verkehrsführungen wurde von der Ruhr-Universität Bochum rechnerisch gegenübergestellt. Dabei wird deutlich, dass sich zwar in Fahrtrichtung Hannover die Fahrtzeitverluste bei Einrichtung einer 4+0-Verkehrsführung durch die breiteren Fahrstreifen reduzieren, die Fahrtzeitverluste in Fahrtrichtung Hamburg allerdings infolge der Fahrstreifenreduktion deutlich ansteigen, so dass in der Summe beider Fahrtrichtungen um rund 50 Prozent höhere Fahrtzeitverluste auftreten. Die Staudauer reduziert sich in Fahrtrichtung Hannover um rund eine Stunde pro Tag, wohingegen in Fahrtrichtung Hamburg bei der derzeit eingerichteten 5+0-Verkehrsführung kaum Überlastungen auftreten, infolge der Fahrstreifenreduktion mit ca. 4 Stunden Stau pro Tag zu rechnen wäre.

Die Vorteile der Leistungsfähigkeit der drei Fahrspuren in Richtung Hamburg überwiegen gegenüber den Vorteilen einer Verbreiterung der Fahrspuren in Richtung Hannover. Zwar reduziert sich die Gefahr der vergleichsweise leichten Unfälle innerhalb der Baustelle, demgegenüber erhöht sich das Risiko von Rückstaus durch den Wegfall der dritten Fahrspur Richtung Hamburg signifikant. Dies wird auch durch die bisherigen Unfallzahlen eindeutig belegt. Die schweren Unfälle passierten ausschließlich in Fahrtrichtung Hannover durch Auffahren auf vorausfahrende (oder bereits stehende) Fahrzeuge (Stauende). Daher wird der Vermeidung von Stauzeiten durch mehr Fahrspuren der Vorrang gegenüber einer größeren Fahrstreifenbreite bei weniger Fahrspuren gegeben. Die Gefahr von Unfällen am Stauende (i.d.R. mit großer Unfallschwere) lässt sich so in der Summe reduzieren. Zitat Prof. Dr. Geistefeldt (Ruhr-Universität Bochum): „Die Ursache der schlimmen Unfälle ist nicht primär die schmale Verkehrsführung im Baustellenbereich, sondern die Fahrstreifenreduktion in Fahrtrichtung Hannover und die dadurch entstehenden Staus.“

Die Vorgaben der Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) können bei dieser Baumaßnahme aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht durchgehend eingehalten werden. Die generelle Vorgabe der RSA geht dahin, die vorhandenen Fahrspuren soweit wie möglich zu erhalten. Bei dieser Baumaßnahme können nur 5 von 6 Fahrspuren zur Verfügung gestellt werden. Die Mindestanforderungen der RSA für erforderliche Fahrbahnbreiten werden in der Baustelle geringfügig unterschritten. Bei Baustellen ab 9 km Länge sind grundsätzlich mind. 3,25m für die Behelfsfahrstreifen vorzusehen. Die Mindestfahrstreifenbreite von 2,50 m gilt im Regelfall nur für Baustellen bis 6 km Länge. Ausnahmen sind jedoch zulässig, wenn die Situation dies erfordert. Hier ist aufgrund der hohen durchschnittlichen täglichen Verkehrsbelastung auf dem Streckenabschnitt das Erfordernis des Erhalts der Fahrspuren besonders groß. Zum Ausgleich wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h gemäß RSA (Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen) auf 60 km/h reduziert.
Folgende, weitere Maßnahmen wurden zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in und vor der Baustelle bereits umgesetzt:

  • Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h zwischen dem Autobahndreieck Walsrode und der Baustelle Schwarmstedt - Mellendorf (Fahrtrichtung Hannover), da dort im Verhältnis mehr Stauereignisse auftreten (s.o.).
  • Verlängerung der bereits vorhandenen Stauwarnanlage in Fahrtrichtung Süden um einen weiteren Querschnitt.
  • Verstärkte Geschwindigkeitsmessungen und Abstandsüberwachungen durch die Polizei. Soweit möglich auch Schwerpunktkontrollen hinsichtlich der Einhaltung der auf den Überholfahrstreifen zulässigen Fahrzeugbreite in der Baustelle von 2,00 m bzw. 2,10 m.
  • Aufklärung durch Banner an den Brücken "Unfall - Pass auf" in Deutsch, Englisch und Russisch.
  • Befestigung des Banketts auf gesamter Baustellenlänge, Richtungsfahrbahn Hannover, um für Lkw, die kurzzeitig ins Bankett kommen sollten, eine ausreichende Festigkeit zu erhalten.
  • Installation von erhabenen Markierungsknöpfen am äußeren rechten Fahrbahnrand in Richtungsfahrbahn Hannover - Warnfunktion beim Verlassen der Fahrspur.
  • Beim Verschwenkungsbereich in Richtung Hannover wurde eine Änderung dahingehend vorgenommen, dass diese verlängert wurde, damit das Verschwenken „flacher“ erfolgt. Dieses bedeutet eine Verbesserung der Fahrsituation, insbesondere für Lkw.
  • Einbau von zusätzlichen Schutzplanken im Verschwenkungsbereich Richtung Hannover.
    Verbesserung der Verkehrsführung auf den Umleitungsstrecken
Die Gemeinden entlang der Bedarfsumleitungsstrecke (L 190) von Hodenhagen über Essel, Wedemark bis zur A 352 sowie der L 310 von Wedemark bis zur A 7 werden durch die Umleitungsverkehre der A 7 während der dortigen Bauarbeiten stark belastet. Zur Verbesserung dieser Situation wurde auf Anregungen aus der Region (LK Heidekreis, Samtgemeinde Ahlden, Samtgemeinde Schwarmstedt, Gemeinde Wedemark) auf den ausgeschilderten Bedarfsumleitungsstrecken die zulässige Geschwindigkeit in den Nachtstunden auf 30 km/h reduziert. Zudem wurde am Knotenpunkt L 310/K 107 in Gailhof sowie in der Ortsdurchfahrt der L 190 Essel eine zusätzliche Ampel installiert.
Kartengrundlage: www.lgln.niedersachsen.de  
Detaillierte Übersicht zum 1. Bauabschnitt auf der A 7 zwischen Rastanlage Allertal und Dreieck Hannover-Nord.
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