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Häufig gestellte Fragen zur Brückennachrechnung

1. Warum werden Brücken nachgerechnet? Reichen die regelmäßig vorgeschriebenen Bauwerksprüfungen nicht aus?

Mit der Bauwerksprüfung wird im Wesentlichen der äußere Erhaltungszustand der Brücke erfasst (Risse, Abrostungen, Setzungen usw.). Die Bauwerksprüfung lässt auch Rückschlüsse auf die Tragfähigkeit der Brücke zu.

Die tatsächliche (innere) Tragfähigkeit kann jedoch nur durch eine Nachrechnung ermittelt werden, so dass sich Nachrechnung und Bauwerksprüfung bei der Beurteilung von Brücken mit der Bestimmung der äußeren und inneren Werte ergänzen.


2. Sind die Brückennachrechnungen ein einmaliger Vorgang, oder finden diese Nachrechnungen an den betroffenen Bauwerken mehrfach statt?

Im Regelfall werden Brücken nur einmal nachgerechnet. Ändert sich durch äußere Einwirkungen (Verkehrsunfall, Naturereignis u. a.) oder auch durch erhöhten Verschleiß die Grundlage der ursprünglichen Nachrechnung, wird ggf. eine erneute oder ergänzende Nachrechnung erforderlich.


3. Nach welchen Kriterien werden die Bauwerke bestimmt, die nachgerechnet werden sollen?

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hat im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums in einem ersten Schritt diejenigen Brücken aus dem Bestand herausgefiltert, die vordringlich nachzurechnen sind. Die Nachrechnung erfolgt in Niedersachsen netzmaschenweise. Unter einer Netzmasche versteht man einen zusammenhängenden Streckenabschnitt einer Verbindung. Eine Netzmasche oder ein Streckenabschnitt ist immer nur so stark wie seine schwächste Brücke. Deswegen wird in Niedersachsen nicht nur diejenige Brücke untersucht, die in der Liste des Bundesverkehrsministeriums auftaucht, sondern es werden auch die Brücken im gleichen Streckenabschnitt untersucht.


4. Gibt es Regionen oder bestimmte Altersklassen von Brücken, die besonders von der Nachrechnung betroffen sind?

Es gibt in Niedersachsen keine Regionen, die besonders betroffen sind. Besonders betroffen sind zunächst alle Brücken, die nach einem aus heutiger Sicht nicht mehr zutreffenden Verkehrslastmodell bemessen wurden und zugleich im Zuge einer besonders stark von Schwerverkehr belasteten Straße liegen. Ein wesentliches Kriterium ist außerdem das Baujahr. Je älter eine Brücke ist, desto weniger sind im Allgemeinen die Erkenntnisse der bautechnischen Entwicklung des modernen Brückenbaus eingeflossen.


5. Warum erfolgen Sperrungen und Beschränkungen oft so unmittelbar nach Vorliegen der Nachrechnungsergebnisse?

Die Nachrechnungen werden von leistungsfähigen und erfahrenen Ingenieurbüros durchgeführt. Unmittelbar nach Vorliegen der Ergebnisse werden diese mit einem anerkannten Prüfingenieur und Fachleuten aus der Verwaltung diskutiert. Sollte als Ergebnis dieser Diskussion ein sicherer Betrieb ohne Kompensation wie zum Beispiel einer Einschränkung der Tragfähigkeit nicht mehr möglich sein, bleibt aus Sicherheitsgründen zum Schutz der Allgemeinheit keine andere Wahl, als sofort nach Bekanntwerden der Ergebnisse zu reagieren.


6. Was bedeutet Nachrechnung - werden die Bauwerke nur rechnerisch überprüft oder auch in Augenschein genommen?

Mit der Bauwerksprüfung (DIN 1076) wird die Brücke in Augenschein genommen, wobei im Wesentlichen der äußere Erhaltungszustand der Brücke (Risse, Abrostungen, Setzungen usw.) erfasst werden. Die Bauwerksprüfung lässt auch Rückschlüsse auf die Tragfähigkeit der Brücke zu.

Die tatsächliche (innere) Tragfähigkeit kann jedoch nur durch eine Nachrechnung ermittelt werden, so dass sich Nachrechnung und Bauwerksprüfung bei der Beurteilung von Brücken mit der Bestimmung der äußeren und inneren Werte ergänzen.


7. Wie läuft eine Nachrechnung konkret ab?

Üblicherweise werden leistungsfähige und erfahrene Ingenieurbüros mit der Nachrechnung beauftragt; die Nachrechnung wird durch einen anerkannten Prüfingenieur überprüft und die Ergebnisse werden gemeinsam mit Fachleuten aus der Straßenbauverwaltung diskutiert. Die Straßenbauverwaltung entscheidet dann über den weiteren Umgang mit der betreffenden Brücke.

In Abhängigkeit von der tatsächlichen Verkehrsbelastung wird ein sogenanntes Ziellastniveau ermittelt, für das die Brücke statisch nachzuweisen ist. Kann die Brücke für das Ziellastniveau, das durchaus unter dem heutigen Bemessungslastniveau des Eurocodes liegen kann, nachgewiesen werden, kann die Brücke zunächst uneingeschränkt weiter genutzt werden.

Ist die Brücke für das Ziellastniveau nicht nachweisbar, muss die Brücke verstärkt oder durch einen Ersatzneubau ersetzt werden.

Das mehrstufige Verfahren der Nachrechnung beginnt mit für Neubauten üblichen Rechenmodellen und Nachweisführungen (erste Stufe). Sollten die statischen Nachweise in der ersten Stufe nicht gelingen, ermöglicht die Richtlinie jedoch durch Schärfung der Rechenmodelle bis hin zum Einsatz wissenschaftlicher Erkenntnisse Tragfähigkeitsnachweise für eine vorübergehende Nutzung bis zum Ersatzneubau. Die Schärfung der Rechenmodelle geschieht durch die Beschaffung von vertieften Erkenntnissen - dazu gehören zum Beispiel auch die Ermittlung der tatsächlichen Betonfestigkeit am Bauwerk oder auch die exakte Bestimmung des Eigengewichtes der Brücke.


8. Was bedeutet „mehrstufiges Nachrechnungsverfahren"? Warum geht man nicht gleich vom schlimmsten Fall aus und hat ein schnelleres Ergebnis?

Das mehrstufige Verfahren der Nachrechnung beginnt mit für Neubauten üblichen Rechenmodellen und Nachweisführungen (1. Stufe). Sollten die statischen Nachweise in der ersten Stufe nicht gelingen, ermöglicht die Richtlinie jedoch durch Schärfung der Rechenmodelle bis hin zum Einsatz wissenschaftlicher Erkenntnisse (4. und letzte Stufe) Tragfähigkeitsnachweise für eine vorübergehende Nutzung bis zum Ersatzneubau. Die Schärfung der Rechenmodelle geschieht durch die Beschaffung von vertieften Erkenntnissen - dazu gehören zum Beispiel auch die Ermittlung der tatsächlichen Betonfestigkeit am Bauwerk oder auch die exakte Bestimmung des Eigengewichtes der Brücke.

Je aufwendiger die Rechenverfahren werden, desto teurer werden die Berechnungen und umso weniger Ingenieurbüros können diese Untersuchungen durchführen - außerdem reichen die Kapazitäten in den Büros nicht aus, für alle Brücken sofort in aufwendige Berechnungsverfahren einzusteigen.


9. Welche Ergebnisse kann eine Nachrechnung haben? Was folgt jeweils daraus?

In Abhängigkeit von der tatsächlichen Verkehrsbelastung wird ein sogenanntes Ziellastniveau ermittelt, für das die Brücke statisch nachzuweisen ist. Kann die Brücke für das Ziellastniveau, das durchaus unter dem heutigen Bemessungslastniveau des Eurocodes liegen kann, nachgewiesen werden, kann die Brücke zunächst uneingeschränkt weiter genutzt werden.

Ist die Brücke für das Ziellastniveau nicht nachweisbar, muss die Brücke verstärkt oder durch einen Ersatzneubau ersetzt werden.


10. In Niedersachsen wurden 250 Bauwerke festgelegt, die vordringlich nachgerechnet werden sollten. Gibt es auch Bauwerke, die darüber hinaus nachgerechnet werden müssen? Wenn ja, wie viele?

Auf der Grundlage wissenschaftlicher Untersuchungen und Gutachten sowie nach bundesweiten Erhebungen hat das Bundesverkehrsministerium eine Liste von Brücken aufgestellt, die vordringlich statisch nachgerechnet werden sollen. In Niedersachsen sind es rund 250 Bauwerke.

Die Nachrechnung erfolgt in Niedersachsen darüber hinaus netzmaschenweise. Unter einer Netzmasche versteht man einen zusammenhängenden Streckenabschnitt einer Verbindung. Eine Netzmasche oder ein Streckenabschnitt ist immer nur so stark wie seine schwächste Brücke. Deswegen wird in Niedersachsen nicht nur diejenige Brücke untersucht, die in der Liste des Bundesverkehrsministeriums auftaucht, sondern es werden auch die Brücken im gleichen Streckenabschnitt untersucht. Konkret sind in Niedersachsen bis 2030 insgesamt rund 750 Bauwerke nachzurechnen.


11. Warum beginnt die Planung eines Ersatzneubaus erst so spät? Könnte man nicht Zeit einsparen, indem man die Planungen schon während der Nachrechnung beginnt?

Als Ergebnis der Nachrechnung kann die Brücke entweder

  • weiter uneingeschränkt genutzt werden oder
  • mit einer beschränkten Restnutzungsdauer genutzt werden oder
  • nur mit verkehrlichen Restriktionen weiter genutzt werden.

Im Fall der beschränkten Nutzbarkeit muss untersucht werden, inwieweit die Brücke mit einer Verstärkung weiter genutzt werden kann oder sogar ein Ersatzneubau erforderlich wird. Zur Entscheidung dieser Fragestellung sind auch wirtschaftliche und verkehrliche Gesichtspunkte wesentlich. So kann es zweckmäßig sein, einen Ersatzneubau vorzuziehen, obwohl eine Verstärkung für einen begrenzten Zeitraum technisch möglich wäre.

Mit den konkreten Planungen kann daher sinnvoll erst nach Abschluss dieser Untersuchungen begonnen werden.


12. Warum dauert die Planung für einen Ersatzbau so lange?

Die Brücken entsprechen nicht mehr nur statisch den heutigen Anforderungen. Auch aus verkehrlicher Sicht sind viele Brücken veraltet; sie müssen verbreitert werden; Gründe hierfür sind z. B. veränderte Regelquerschnitte aber auch die Anlage von Radwegen, Lärmschutz- und Sicherheitssystemen. Die Verbreiterung allein stellt einen erheblichen Eingriff in die Landschaft und in vorhandene Verhältnisse (z. B. Eigentum) dar. Neben dem Naturschutz sind in der Regel auch wasserschutzrechtliche und denkmalschutzrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Die Erhebung dieser Randbedingungen benötigen einen nicht unerheblichen Zeitraum. Insbesondere für die naturschutzfachlichen Aspekte erfolgt die Erhebung zu meist über eine vollständige Vegetationsperiode.

Aus diesen Ergebnissen lassen sich Anforderungen an die Planung erstellen, die häufig gegensätzlich zueinander stehen. Für eine ausgewogene Vorzugsvariante ist ein langwieriger iterativer Abwägungsprozess erforderlich.

Die Straßengesetze bestimmen, dass neue und wesentlich geänderte Bundesfern-, Landes- und Kreisstraßen nur gebaut werden dürfen, wenn der aus Zeichnungen, Berechnungen und Erläuterungen bestehende Plan vorher "festgestellt" ist. Hierzu dient das so genannte Planfeststellungsverfahren. Dessen Zweck ist es, alle von dem Bauvorhaben betroffenen öffentlichen und privaten Belange gegeneinander abzuwägen und widerstrebende Interessen auszugleichen, ohne dass es noch weiterer öffentlicher Verfahren oder Zustimmungen anderer Behörden bedarf. Ist die Maßnahme „festgestellt", hat also Baurecht erlangt, so sind die Vergabeunterlagen zu erstellen und die Maßnahme in einem öffentlichen Vergabeverfahren an ein leistungsfähiges und erfahrenes Unternehmen zu vergeben. Auch dieser Prozess benötigt aufgrund der gesetzlich festgelegten Fristen einen größeren Zeitraum.

Erst nach Durchlaufen aller dieser Planungsschritte kann mit dem eigentlichen Bau der Brücke begonnen werden.

Bauwerk 3813 im Zuge der A 38  

Bauwerk 3813 im Zuge der A 38 (Symbolfoto).

Artikel-Informationen

13.10.2017

Ansprechpartner/in:
Harald Freystein

Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Dezernatsleiter 32 (Konstruktiver Ingenieurbau)
Göttinger Chaussee 76 A
30453 Hannover
Tel: (0511) 3034-2515
Fax: (0511) 3034-2099

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