klar

Geschichte

Planerischer Hintergrund der Autobahn 39


In einer kartographischen Darstellung vom 31. Dezember 1934 war eine Reichsautobahnverbindung zwischen Hamburg und Halle (Saale) über Uelzen als Ergänzung zum bestehenden Netz dargestellt.

Im Straßenprogramm des Bundes von 1952 wurde die Bundesstraße 4 als auszubauende Bundesstraße in die Dringlichkeitsstufe I eingeteilt. Daneben stand die A 7 Göttingen - Hannover - Hamburg in dieser Stufe. Die Reichsautobahnplanung hatte zusätzlich eine Strecke über Braunschweig vorgesehen. Diese Planung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aber verworfen, da sie zum Teil über das Gebiet der damaligen DDR verlief.

Der Ausbauplan für die Bundesfernstraßen von 1961 sah nach wie vor einen Ausbau der B 4 neben dem Neubau der A 7 Göttingen - Hannover - Hamburg in der ersten Dringlichkeit vor. Schon diesem Ausbauplan lag eine Netzkonzeption zugrunde, die u. a. die Erschließung der verkehrsfernen Gebiete verbessern (Reisezeitverkürzung) und die Wirtschaftsräume verbinden sollte. Ökonomische Gesichtspunkte spielten zur damaligen Zeit trotz einer Unterfinanzierung des Ausbauplanes keine Rolle bei der Aufnahme von Maßnahmen in den Ausbauplan.

Der Straßenausbauplan von 1970 sah vor, dass die Entfernung zu einer Anschlussstelle an das Bundesautobahnnetz für 85 Prozent der Einwohner nicht größer sein sollte als 10 Kilometer. Außerdem wurde davon ausgegangen, dass die Grenze der Motorisierung bald erreicht sei (es wurde mit einem PKW auf drei Einwohner gerechnet, insgesamt mit etwa 20 Millionen PKW im gesamten Bundesgebiet; mittlerweile kommt ein PKW auf weniger als zwei Einwohner, in Deutschland gab es 2009 insgesamt 49,6 Millionen Kraftfahrzeuge). Wiederum war die Raumerschließung, vor allem der Randgebiete, ein wesentliches Kriterium bei der Aufstellung des Bedarfsplanes.

Bei der Überprüfung des Bedarfsplans im Jahr 1976 war das Nutzen-Kosten-Verhältnis das entscheidende Kriterium zur Einstufung von Maßnahmen in Dringlichkeitsstufen.

Im dritten Fünfjahresplan für den Zeitraum von 1981 bis 1985 war eine vierstreifige Autobahn von Hamburg nach Lüneburg vorgesehen sowie jeweils zweistreifige Ortsumgehungen von Lüneburg und Uelzen im Zuge der B 4. Das 4. Fernstraßenausbauänderungsgesetz (FstrAbÄndG) vom 30. Juni 1993 enthielt im "weiteren Bedarf" des Bedarfsplans für die Bundesfernstraßen für den nordostdeutschen Raum zwei Autobahnen (A 14 Magdeburg - Lüneburg und A 39 Braunschweig - Schwerin). Diese sogenannte X-Lösung zeigte ein für die Einstufung in den "vordringlichen Bedarf" ausreichendes Ergebnis in der gesamtwirtschaftlichen Betrachtung. Sie wurde aber zum einen aufgrund von erkennbaren erheblichen Umweltproblemen der im Bedarfsplan nur grob skizzierten Linienführungen zurückgestuft. Zum anderen hätten beide Projekte, für die eine kurzfristige Realisierung infolge des derzeitigen Planungsstandes nicht angenommen werden konnte, einen großen Teil des für den "vordringlichen Bedarf" verfügbaren Finanzrahmens in Anspruch genommen. Eine Reihe anderer vordringlicher Maßnahmen in den betroffenen Ländern wäre in den "weiteren Bedarf" gedrängt worden und hätte somit deren Realisierung verhindert.

Mit weiteren Überprüfungen im Rahmen der Fortschreibung des Bedarfsplanes für die Bundesfernstraßen und Abstimmungen auf Ministerebene mit den Ländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen wurde letztlich die I-Lösung, die so genannte "Hosenträgervariante", entwickelt. Sie besteht aus den folgenden Elementen:

  • A 14 Magdeburg - Wittenberge - Schwerin
  • A 39 Lüneburg - Wolfsburg
  • B 190n als Verbindung der A 14 und A 39

Der Bundestag hat die "Hosenträgervariante" mit der Verabschiedung des 5. Fernstraßenausbauänderungsgesetzes vom 4. Oktober 2004 in den "vordringlichen Bedarf" des Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen aufgenommen.

Ende der 1960er-Jahre war Planungsbeginn für den vordringlichen Bau einer Autobahn zur Entlastung der B 4 zwischen der A 1 bei Hamburg und Lüneburg im Zuge der Planung einer Autobahnverbindung zwischen Hamburg und dem Harz. Die Probleme der bestehenden B 4 waren u. a.

  • mangelnde Leistungsfähigkeit
  • überlange Fahrzeiten durch geringe Geschwindigkeiten
  • hohe Immissionsbelastungen in den betroffenen Siedlungsbereichen

Das Raumordnungsverfahren wurde für die damals als A 39 bezeichnete Autobahn in den Jahren 1969/70 durchgeführt, die Linienbestimmung im Jahr 1971 abgeschlossen.

Das Planfeststellungsverfahren für den ersten Abschnitt (Maschen - Winsen-West) wurde 1978 eingeleitet und endete mit Planfeststellungsbeschluss im Jahr 1982. Verkehrsfreigabe für diesen Abschnitt war 1987.

Der zweite Abschnitt (Winsen-West - Winsen-Ost) wurde 1991 für den Verkehr freigegeben, nachdem das 1980 begonnene Planfeststellungsverfahren im Jahr 1988 mit Erteilung des Planfeststellungsbeschlusses beendet worden war.

Für den dritten Abschnitt (Winsen-Ost - Lüneburg-Nord mit Ausbau der B 4 bis zur Ilmenaubrücke) begann das Planfeststellungsverfahren im Jahr 1980. Eine ergänzende Verkehrsuntersuchung aus den Jahren 1986/87 ergab für die B 4 im Abschnitt zwischen der B 404 und Bardowick ohne Verwirklichung einer Autobahn eine Belastung von 19.000 Kraftfahrzeugen pro Tag, zwischen Bardowick und Lüneburg von 22.000. Der Planfeststellungsbeschluss erging im Jahr 1990. Die Verkehrsfreigabe für diesen Abschnitt fand im Jahr 1996 statt.

Im Zuge einer Autobahn als Verbindung des norddeutschen Küstenraumes mit Berlin hat das damalige Straßenbauamt Lüneburg im Jahr 1977 einen Vorentwurf für den Streckenabschnitt von Lüneburg (Anschluss an die geplante A 39) bis zur damaligen Bundesgrenze bei Schnackenburg erarbeitet. Diese als A 24a bezeichnete Autobahn war als auf niedersächsischem Gebiet verlaufende Alternative zur bereits aus Vorkriegsjahren bekannten A 24 in Schleswig-Holstein, die durch das FStrAbÄndG vom 5. August 1976 Aufnahme in den Bedarfsplan fand, vorgesehen. Zweck dieser A 24a war neben der Anbindung Berlins vor allem die Erschließung des Landkreises Lüchow-Dannenberg und des übrigen Zonenrandgebietes, um so eine Verbesserung der wirtschaftlichen und bevölkerungspolitischen Lage zu erreichen. Als Linienführung war eine nördliche Umgehung Bardowicks und Adendorfs sowie ein Verlauf nördlich von Neetze bis nach Schnackenburg vorgesehen. Aufgrund der politischen Entscheidung zugunsten der A 24 auf dem Gebiet Schleswig-Holsteins wurde die A 24a in der dargestellten Form nicht verwirklicht.

Bundesautobahn 39
Autobahnplanung in Niedersachsen 1971  

Autobahnplanung in Niedersachsen 1971.

Artikel-Informationen

03.11.2015

Ansprechpartner/in:
Dirk Möller

Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr
Geschäftsbereich Lüneburg
Geschäftsbereichsleiter
Am Alten Eisenwerk 2 D
21339 Lüneburg
Tel: (04131) 15-1237
Fax: (04131) 15-1203

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln